Konquistadoren und Sklavenhändler vom Bodensee

Das Stadtarchiv und die Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde St.Gallen erarbeiten in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Kirsten Mahlke und M.A. Hannah Beck von der Universität Konstanz auf das Jahr 2024 ein Forschungs- und Vermittlungsprojekt zur Beteiligung von St.Galler und Konstanzer Kaufleuten am transatlantischen Sklaven- und Kolonialhandel des 16. Jahrhunderts. Das Projekt ist dreigeteilt und umfasst eine Publikation, einen Themenmonat in der Bodenseeregion und eine Summer School an der Universität Konstanz.

Publikation «Konquistadoren und Sklavenhändler vom Bodensee»

Der St.Galler Hieronymus Sailer (1495–1559) war Kaufmann, Angestellter des berühmten und global tätigen Augsburger Handelshauses der Welser in hoher Position – und Sklavenhändler. Diese Verflechtungen zwischen der Geschichte der Bodenseeregion und der Ausbeutung der Neuen Welt im 16. Jahrhundert sind noch kaum bekannt.

Für das erste deutsche Kolonialunternehmen, die «Welserkolonie» Venezuela, handelten Hieronymus Sailer aus St.Gallen und Ulrich Ehinger aus Konstanz 1528 mit Kaiser Karl V. einen Vertrag über Kauf und Verschleppung von 4000 Menschen aus Westafrika in die Karibik aus. Dies ist der zweitälteste «Asiento de Negros» in der Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels überhaupt. Sailers Netzwerk führte dazu, dass mehrere St.Galler in den folgenden Jahren als Konquistadoren im heutigen Venezuela unterwegs waren.

Unterwegs auf den Spuren von St.Galler Kaufleuten in den Diensten der Augsburger Welser-Gesellschaft – dem Sklavenhändler Hieronymus Sailer, seinem Neffen Michael Sailer und dem Konquistador Melchior Grübel – werden Aspekte des transatlantischen Kolonialhandels und dessen Finanzierung im 16. Jahrhundert diskutiert. Die Autorinnen leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Erforschung der frühen Kolonialgeschichte und geben neue Anregungen zur Erforschung der Geschichte St.Gallens und der Bodenseeregion.

Die Buchvernissage von «Konquistadoren und Sklavenhändler vom Bodensee» am 4.4.2024 markiert den Auftakt zum Themenmonat «Kolonialgeschichte».

Themenmonat «Kolonialgeschichte» im April und Mai 2024

Die bislang weitgehend unbekannte Geschichte der Kolonialherren aus der Bodenseeregion bildet den Ausgangspunkt für den breit angelegten Themenmonat zur Kolonialgeschichte. Auf Initiative von Stadtarchiv und Vadianischer Sammlung der Ortsbürgergemeinde finden in April und Mai 2024 in St.Gallen, Lindau, Konstanz, Appenzell und Heiden zahlreiche Veranstaltungen statt. Unsere Kooperationspartnerinnen und -partner sind:

  • Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz
  • Erfreuliche Universität St.Gallen
  • Hans Fässler, Historiker und politischer Aktivist
  • Historischer Verein Appenzell
  • Historischer Verein des Kantons St.Gallen
  • Hochschularchiv der ETH Zürich
  • Kantonsbibliothek Vadiana St.Gallen
  • Karl Schweizer, Historiker und politischer Aktivist
  • Katholische Kirche im Lebensraum St.Gallen
  • Museum Heiden
  • Pädagogische Hochschule St.Gallen
  • Reformierte Kirche St.Gallen
  • Sarah Montani, Künstlerin und Digitalpionierin
  • Staatsarchiv St.Gallen
  • Universität Konstanz

Der Themenmonat bietet mit seinen vielfältigen Angeboten einen breiten Zugang, um sich dem Thema der Kolonialgeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern. Wir laden Sie ein, bislang unbekannte Geschichten, neue Erkenntnisse und Einblicke in ein Thema, das bis in unsere Gegenwart hineinreicht, zu erhalten. Das Programm des Themenmonats ist hier verlinkt.

Summer School an der Universität Konstanz im September 2024

Weitere Informationen folgen. Kontakt: kirsten.mahlke@uni-konstanz.de, Professorin für Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Methoden an der Universität Konstanz

Kontakt: nicole.stadelmann@ortsbuerger.ch, Co-Leiterin Stadtarchiv und Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde St.Gallen

 

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